Rede von Jasmin auf der Palästina-Demo der Linkspartei 28.06.25
Liebe Versammelte, die Situation in Palästina ist kaum noch zu ertragen, vor allem für die Palästinenserinnen und Paläsinenser, aber auch für jeden von uns, der Mitgefühl und Menschlichkeit spürt.
In Gaza werden 26 Kinder pro Tag getötet. Stellt euch einfach eine Schulklasse vor. Ärzte ohne Grenzen spricht von ethnischer Säuberung und von Massakern getarnt als humanitärer Hilfe. Und Herr Merz, Herr Kiesewetter und Co. nennen es immer noch Israels Selbstverteidigung?

Demo in Aachen am 28.6.25
Wohin soll unsere Gesellschaft gehen, wenn Völkerrecht einfach weggeredet und Massenmorde normalisiert werden? Wenn Gewalt und Rache uns als die einzige Option verkauft werden?
Es ist schwer, in Deutschland über diese furchtbare Situation zu sprechen, weil viele in einem moralischen Konflikt aufgrund der Nazivergangenheit sind. Die Naziverbrechen waren eine unfassbare Katastrophe, die wir für immer verurteilen und erinnern müssen. Aber wo bleibt diese Moral bei der Vertreibung, die die PalästinenserInnen seit über 70 Jahren erleben müssen. Dass sie ihre Häuser und ihr Land verlassen müssen, gedemütigt und getötet werden und nun komplett vertrieben werden?
Die PalästinenserInnen haben auch eine Katastrophe erlebt. Das ist die Vorgeschichte, zu der Hölle, durch die sie jetzt gehen. Aber dieser Teil der Geschichte wird in Deutschland einfach ausgespart!
Wo bleibt unsere Moral bei den gezielten Tötungen, dem Vertreiben und Aushungern eines ganzen Volkes, wie es jetzt in diesem Moment geschieht? Das Auslöschen dieser ganzen Menschenleben, hätte schon lange beendet werden können, wenn man es gewollt hätte. Vor allem von Deutschland und den USA aus.
Leider kann ich im Moment nur zu dem Schluss kommen, dass man in Deutschland nichts aus der Geschichte gelernt hat. Wenn wir so eine Katastrophe nicht nur geschehen lassen, sondern mit Rüstung und diplomatischer Rückendeckung unterstützen!
Wie kann es sein, dass sich in Aachen Menschen zu Tausenden beim Chio, im Tivoli und bei der Chorbienale zusammenfinden. Aber hier nur wir stehen.
Da unsere Regierung offenbar nur diesen gewaltvollen und völkerrechts-widrigen Weg kennt, müssen wir als BürgerInnen handeln und laut sagen: Dass diese Verbrechen nicht in unserem Namen geschehen! Lasst uns gemeinsam mutig sein – Haltung zeigen und uns vernetzen. Wir müssen uns hier in Deutschland unserer globalen Verantwortung bewusst werden, und ins Handeln kommen. Wer auf dieser Welt hat noch die Möglichkeiten, die wir hier haben? Unsere Meinung frei zu äußern, auf die Straße zu gehen und auf die Verbrechen der Mächtigen aufmerksam zu machen.
Leider muss man sagen, dass vor allem die von uns mit einem deutschen Pass, diese Freiheit haben. Die, die weiß sind, gut deutsch sprechen und nicht durch ein migrantisches Aussehen auffallen.
Ja, ich spreche von dem Rassismus in unserem Land
Ja, ich spreche von dem Rassismus in unserem Land, der gerade Menschen dazu bringt, nicht hier mit uns zu stehen, weil sie Angst haben. Der dazu führt, dass so viele Menschen zu Hause bleiben, weil sie denken, das alles hätte nichts mit ihnen zu tun.
Das hat es aber, denn wir sind eine Menschheit mit einer gemeinsamen Zukunft auf diesem Planeten. Und es liegt an uns allen, was wir gemeinsam daraus machen. Und beginnen können wir hier bei uns: Lasst uns den PalästinenserInnen hier in Deutschland mit Respekt, Mitgefühl und Solidarität begegnen.
Meine palästinensischen Freunde und Nachbarn sind am Ende mit ihrer Energie. Voller Trauer und Wut. Sie fühlen sich allein gelassen. Sie brauchen unsere Unterstützung. Sie brauchen Raum für ihren Schmerz und ihre Forderung nach Gerechtigkeit. Als Beispiel dafür, wie palästinensische Stimmen und palästinensischer Protest hier in Deutschland unterdrückt und bestraft wird, möchte ich nochmal von den Students for Palestine hier in Aachen erzählen: Die Students for Palestine haben monatelang unermüdlich durch ihr Palästina-Camp vor dem Hauptgebäude auf die Gräueltaten in Gaza aufmerksam gemacht. Und zwar zu der Zeit als Deutschland noch komplett geschlafen hat, vor allem Aachen.
Der Rektor der RWTH forert 18 000 € von den „Students for Palestine“
Nun fordert der Rektor der RWTH 18 000 Euro von Ihnen, um den Rasen begutachten und sanieren zu lassen! Es gibt ProfessorInnen, die das Problem gerne kostengünstig mit den Studierenden beheben würden, was aber nicht zugelassen wird. Wissen Sie, was man mit 18 000 Euro alles für die Menschen in Gaza tun könnte?
Wie kann es sein, dass so absurde Dinge vor unserer Haustür passieren? Sollten wir nicht an diesen Stellen anfangen uns einzumischen?
Zum Schluss ein mutmachender Ausblick: Ich gebe zu, dass es schwer ist, bei den aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und in der Welt hoffnungsvoll zu bleiben.Aber die Welt ist in Bewegung! Auch wenn man das Gefühl in Deutschland leider immer noch nicht so wirklich hat.
Machen wir es wie in Den Haag, wo 150000 für Gaza demonstrierten
In anderen europäischen Ländern haben die Zivilgesellschaften viel Druck ausgeübt, Regierungen haben Waffenlieferungen eingestellt und Palästina als Staat anerkannt. Hunderttausende sind auf den Beinen, in Israel, in Frankreich, in Bangladesch, in Washington, Tausende aus 80 Ländern sind zum Global March for Gaza aufgebrochen und machen nach ihrer Rückkehr in ihren Heimatländern weiter In Den Haag gingen 150 000 auf die Straße. Und in Berlin waren es 70 000. So viele sind wir heute nicht, aber wir sind hier, verbünden uns und sagen den Menschen in Gaza: Ihr seid nicht allein! Wir sehen und fühlen euer Leid! Und wir kämpfen dafür, dass dieser Wahnsinn ein Ende haben wird!
Vielen Dank, dass ihr hier seid!