Gemeinsam mit der Aachener LINKSPARTEI haben wir am 1.September 2025 eine gut besuchte Kundgebung und Demonstration gegen die Politik der Bundesregierung durchgeführt. Prominente Rednerin war Frau Ines Schwerdtner, die Parteivorsitzende der LINKEN. Für das Antikriegsbündnis sprachen Jasmin Marla und Ralf Haups. Die Moderation machte Joachim Zinsen, der am Ende auch Frau Schwerdtner interviewte. Frau Schwerdtner erkläre dabei auf Anfrage, dass die LINKE auf jeden Fall gegen die Einführung der Wehrpflicht stimmen werde, ebenso gegen eine Wehrpflicht für Frauen.
Verurteilt wurde in allen Reden die Unterstützung der genozidalen Kriegsführung Israels, die nun neben ständigen Bombardements auch das kriegsverbrecherische Aushungern der Menschen in GAZA betreibt.
Die Rednerinnen kritisierten die Bundesregierungen unter Scholz und Merz auch wegen der jahrelangen Weigerung, sich für Verhandlungen im Ukrainekrieg einzusetzen und stattdessen mit Milliarden für Waffen auf einen Siegfrieden der NATO gegen Russland setzten.
Auf der Abschlusskundgebung erhielten Vertreter der SOL und der SDAJ viel Applaus dafür, dass sie energisch gegen die geplante Einführung der Wehrpflicht mobilisieren werden.



Die Reden werde noch nachgereicht.

Jasmin Marla, Antikriegsbündnis Aachen
Die Rede von Sozialistische Organisation Solidarität – SOL zur geplanten Wehrpflicht
Wir kommen heute zusammen, um gegen Krieg zu protestieren und Frieden zu feiern. Und ich muss zugeben: Als ich gerade dabei war, meine Rede zu schreiben, habe ich auf Instagram etwas Seltsames gefunden.
Die Zeit hat einen Fragebogen veröffentlicht über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Ihr wisst schon – die Wehrpflicht, 2011 abgeschafft, jetzt wieder auf dem Tisch der Rechten, mit die Grünen und SPD auch in Unterstützung. Wer den Fragebogen ausfüllte, bekam vier kostenlose Zeitungen. Ich konnte nicht widerstehen. Ich wollte sehen, welche Gedankengymnastik die bürgerliche Presse diesmal aufführt.
Es gab drei Fragen – jede lächerlicher als die vorherige.
Frage 1: „Soll die Wehrpflicht wieder eingeführt werden?“
Ja, nein oder unsicher. Klingt ausgewogen, oder? Aber die versteckte Annahme ist: Der Staat hat das Recht, uns zu zwingen, für seine Interessen zu kämpfen und zu sterben. Die radikale Antwort – dass Zwangsdienst autoritär ist – steckt still und leise im „Nein“-Feld, wird nicht einmal anerkannt.
Frage 2: „Soll die Wehrpflicht für Männer und Frauen gleichermaßen gelten?“
Hier kommt der liberale Umweg. Statt zu fragen, ob jemand eingezogen werden sollte, wird über Geschlechtergerechtigkeit diskutiert. In der Praxis bedeutet das: die Klassenfrage wird ignoriert. Wer muss wirklich in Uniform, und wer kann sich freikaufen? Identitätspolitik verstekt den Klassen-Zwang.
Frage 3: „Was wird Deutschland gerade am meisten gebraucht?“
Die Optionen reichten von „klassische Wehrpflicht“ über „Zivildienst“ bis zu meinem Favoriten: „Rentnerpflicht“ – ein Pflichtjahr für Oma. Nichts sagt demografische Krise so sehr wie Rentner in unbezahlter Arbeit und Kinderbetreuung. Niemand will das wirklich, aber es lässt die Einberufung der Jungen wie einen „vernünftigen Kompromiss“ aussehen.

Satire Aktion der „Unbelehrbaren“ und des Antikriegsbündnisses Aachen in Köln. Waffensegnung durch Kardinal Bölki bei „Rheinmetall Entwaffnen“
Selbst die Option „Keine Pflicht überhaupt“ wird als Außenseiteroption versteckt, als unernsthafte Wahl. Der gesamte Fragebogen normalisiert die Idee: Dienst – militärisch oder zivil – sei etwas, das Bürger*innen dem Staat schulden.
Ja, ich habe den Fragebogen ausgefüllt und meine kostenlosen Zeitschriften sind unterwegs. Aber Genoss*innen, wir wissen, warum wir wirklich hier sind: Um Wehrpflicht insgesamt abzulehnen. Klar zu sagen: Wir werden nicht für die kapitalistische Klasse kämpfen und sterben.
Und das bringt mich zu dem, was der Fragebogen auslässt. Er fragt, wie wir dienen sollten – aber nie, warum diese Kriege überhaupt existieren. Also stellen wir die echte Frage:
Warum führt Kapitalismus immer wieder zu Krieg?
Erstens: Krieg ist profitabel.
Waffenfirmen produzieren nicht nur Bomben – sie machen Milliarden. Die Armen zu ernähren, bringt keinen Gewinn. Die Armee auszurüsten, schon. Deshalb soll Europa 5 % des GDP für Verteidigung ausgeben – über eine Billion Dollar, mehr als wir für Bildung ausgeben. Gleichzeitig sagt die UN: Weltweiten Hunger könnte man mit einem Bruchteil davon beenden – einige zehn Milliarden pro Jahr. Brot oder Waffen? Das Volk will Brot. Das Kapital liefert uns Waffen.
Zweitens: Krieg ist imperialer Wettbewerb.
Uns wird gesagt, wir müssten Russland fürchten. Die Fakten sind klar: Europa gibt schon jetzt viel mehr für Rüstung aus als Russland. Trotzdem werden wir in ein Wettrüsten gedrängt, weil Staaten um Märkte, Rohstoffe und Einfluss konkurrieren. Es geht nicht um Verteidigung. Es geht um Profit und Macht. Wie Jean Jaurès vor über hundert Jahren sagte: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen.“
Drittens: Krieg entzieht der Gesellschaft von unten.
Jeder Euro für Waffen fehlt bei unseren sozialen Diensten. Bürgergeld, Bildung, Gesundheit – alles wird gekürzt, um den Haushalt nach dem Kauf neuer Panzer auszugleichen. Sparpolitik trifft die Arbeiterklasse. Not erzeugt Wut. Wut wird genutzt von rechten Populistin. Und der Kreislauf beginnt von vorn. Diesem System sollen wir dienen. Für dieses System sollen wir für sterben.
Und Genossinnen, die Geschichte warnt uns. 1914 haben die Sozialdemokrat*innen nicht nur ihr eigenes Volk, sondern auch die internationale Arbeiterklasse verraten und den Kriegskrediten zugestimmt. Sie schickten Arbeiter*innen in den Tod im Grauen des Ersten Weltkriegs. Heute wiederholt unsere Regierung denselben Fehler: rechte Populismuswellen, verursacht durch schlechte Wirtschaft, und ihre Antwort ist – Sozialleistungen kürzen, Militär finanzieren und „Sicherheit“ rufen.
Wir wissen es besser. Wir wissen, diese Kriege sind nicht in unserem Interesse. Es sind Kriege des Kapitals, nicht der Menschen.
Also lasst uns klar sein:
- Wir lehnen die Wehrpflicht ab.
- Wir lehnen ihre Kriege ab.
- Und wir lehnen das kapitalistische System ab, das sie erzeugt.
No war but class war.
Sagt es mit mir, Genoss*innen:
No war but class war!
No war but class war